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62 - Susanne


24.10.20261:40:48

In dieser Folge sprechen wir mit Susanne, die aus der quirligen Berliner Gastroszene mit ihrem Mann in die fränkische Provinz gezogen ist, um dort ein Wirtshaus zu eröffnen. Von Jugend an war Alkohol ein ständiger Begleiter, vor allem als Belohnung und Tröster - nach extrem fordernder Arbeit im Service, nach Streß, zum Runterkommen, gegen Einsamkeit. Wir erfahren, wie der tödliche Unfall von Susannes Bruder in ihrer Kindheit die Familie zerrüttet und die Eltern in einem Kokon aus Kummer der Welt entreißt, wie sie keine Nähe und Geborgenheit erfuhr und im Alkohol ein "fehlendes Puzzleteil" zu finden glaubte: nämlich Wärme, Nähe und eine Zugehörigkeit, die es im gutbürgerlichen Zuhause nicht gab. Wir hören, wie der Konsum stärker wurde, wie die Anforderungen, ein neues Geschäft im Nirgendwo aufzubauen, eine Familie zu gründen und ein Haus zu sanieren, sie immer unkontrollierter zur Weinschorle greifen ließen. Wie sie sich das Trinken in der Schwangerschaft verbot, um es sofort nach dem Abstillen wieder anzufangen. Wie sie mit Alkohol Depressionen bekämpfen wollte, die der Alkohol erst ausgelöst hatte. Wie sie Streits vom Zaun brach, ihren Mann verbal immer heftiger angriff, immer weniger Halt fand. Susanne berichtet, dass sie trotz glasklaren Problembewusstseins zwei volle Jahre innerer Verhandlungen brauchte, bis sie tatsächlichen nüchtern werden konnte. Wir erfahren aber auch, wie sich durch die Nüchternheit alles in ihrem Leben verbesserte und wie sie ihre persönlichen Baustellen - die transgenerationalen Traumata, die Depressionen, eine sehr späte ADHS-Diagnose - endlich angehen konnte. Eine starke und gleichzeitig fragile Folge, die einen tiefen Einblick gewährt und deutlich zeigt: Man muss nicht warten, bis der Alkohol alles im eigenen Leben zerstört hat, bis man anfängt aufzuhören.

Hier findet ihr Susannes Wirtshaus in Franken: https://www.loewe-rieneck.de